17.02.2012 Hexen heizen Neuburg ein, DK
Die ganze Stadt wird von wilden Horden feiernder Frauen gestürmt
Feuer unter die Beine bekamen die mutigen Hexen, die in vollem Lauf zum Hexensprung ansetzten, und sich dafür ein Stamperl von Mitorganisatorin Silvia Heueisen (springt) verdienten. Aus Karlshuld kamen die süßen Früchtchen, darunter Ex-Rosenkönigin Martina I. - Fotos: Hammerl
Feuer von oben und von unten heizt den Hexen beim Tanz auf dem Ottheinrichplatz ein. Nach stimmungsvollem Auftakt vor dem Marstall machen die närrischen Weiber die Stadt unsicher, ziehen fröhlich, später auch angeheitert in wilden Horden rund um Schrannenplatz und Altstadt umher.
Die waghalsigen Sprünge übers Feuer begleitet der Fanfarenzug musikalisch, während vier Feuerspeier der Gruppe Spectaculum de diabolico für Flammen über den Köpfen sorgen. Besenschwingend geht es in furiosem Hexengalopp allein oder zu zweit über das flackernde Feuer, allen voran Mitorganisatorin Silvia Heueisen und Stammesführer Daniel Gesche. Sehr zum Vergnügen der – leider übersichtlich großen – Zuschauerschar, unter die sich auch Simon gemogelt hat, der streng genommen weder das Alter noch das Geschlecht für den Weiberfasching hat, was aber unter dem dicken, schwarz-weiß-karierten Kopftuch und dem Schneeanzug auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist. „Ich bin keine Hexe, sondern ein Hexenmeister“, erklärt er denn auch empört auf die Frage, wie alt „die kleine Hexe“ denn sei. Das war’s dann auch schon für den jungen Mann. Während die Hexen sich in den von den Neuburger St.-Georgs-Pfadfindern hexenhöhlenmäßig hergerichteten Marstall begeben oder hinunter in die Stadt ausschwärmen, tritt er den Heimweg in die Altstadt an.
Noch einmal bläst der Fanfarenzug vor der Bühne im Marstall kräftig in die Instrumente, dann gibt er das musikalische Zepter an die Band Chlorfrei ab, die Hexen, Teufel, Zauberer, Ärzte und Krankenschwestern, Hippies, süße Früchtchen und allerlei Getier auf der Tanzfläche kräftig durcheinanderwirbeln lässt. Manfred Enders serviert Hexensuppe und –finger sowie Teufels-Burger aus der Pfadfinderküche und Hauptorganisator Gerhard Mattick ist überall mit wachsamen Augen zu finden. 40 Ehrenamtliche hat der Materialwart der Pfadfinder im Einsatz, hinzu kommt die Security, deren ausgeklügeltes Sicherheitskonzept einmal mehr reibungslos funktioniert.
Die Stimmung ist ausgezeichnet, das attestiert sogar einer, der aus einer Faschingshochburg stammt. Für Thomas Wiesemann, gebürtiger Mainzer und seit mindestens fünf Jahren Stammgast, ist der Marstall-Weiberfasching der Pfadfinder „die beste Veranstaltung im Neuburger Fasching“. Verkleidet als Scheich hat er eine Kuh im Schlepptau. Wo sich denn der Rest der Herde befindet? „Die haben wir verkauft“, antwortet er schlagfertig.
Als schlagfertig erweist sich auch Zauberer Gangolf, der mit drei Hippies unterwegs ist. Wie er zu denen gekommen ist? „Die hab‘ ich gezaubert“, sagt er grinsend und streicht mit seinem Zauberstab durch die Luft, „was Junges, alt bin ich selber“.
Alt ausgeschaut hat der junge Mann, der in riesigen, knallroten und vor allem hochhackigen Pumps die Treppe zum Hofgarten hinunterwackelt. Oben kokettiert er noch mit seinen Beinen. „So was Tolles habt ihr noch nie gesehen“, unten stöhnt er nur noch: „Tut das weh“.
