19.08.2010 Vom Wölfling zum Stammesführer, DK
Mit dem Abschlusskreis endet jede Gruppenstunde im Pulverturm, der den Pfadfindern als Domizil dient.
Momentan machen sie Ferien. Doch im September danach geht es wieder weiter mit den Gruppenstunden bei den Neuburger Pfadfindern der DPSG (Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg). Dann werden Eisschollen überwunden und der alte Pulverturm bebt.
Zipp steht für links, zapp für rechts. Daniel fragt vorsichtshalber noch mal nach: "Welche Hand ist zapp" Zögerlich geht mal die linke, mal die rechte Hand in die Höhe. Was schon in der Theorie nicht so leicht ist, lässt sich noch schwerer in die Praxis umsetzen – weshalb die Jüngsten der Neuburger Pfadis sich im rasanten Bewegungsspiel am liebsten mit Zipp-Zapp behelfen. Dabei jagt das Kind in der Mitte des Stuhlkreises alle auf und hat so die Chance, sich einen Platz zu ergattern.
Spielerisch lernen
Gruppenleiter Daniel Gesche favorisiert die intelligentere Variante des Spiels und zeigt auf einen seiner Wölflinge. Auf Daniels "Zapp" hin, muss das angesprochene Kind den Namen seines rechten Nachbarn nennen. "Wie heißt er" fragt Nico hilflos. Nico ist ganz neu in der Wölflingsgruppe, die Kinder zwischen sechs und zehn Jahren aufnimmt.
Hier lernen die zukünftigen Pfadfinder spielerisch die Gruppe kennen, wachsen zusammen und lernen, einander zu vertrauen. Dazu dient auch ein Spiel, in dem sie mit Hilfe von Eisschollen übers Meer gelangen müssen – ohne den Boden des kreisrunden Gruppenraumes zu berühren. Das geht nur im Team, wie die Kinder schnell herausfinden.
Daniel Gesche ist für die Wölflinge zuständig, Kathrin Sowa, Lisa Labrus und Jörg Mattik fungieren als weitere Meutenbändiger. Gruppenleiter sind für alles da – sie pusten, wenn es blaue Flecken gibt, schlichten Streit, bewundern neue Schuhe und machen den Zugführer, wenn die Gruppenstunde zu Ende ist und die Kinder die Treppe des Pulverturms hinunter steigen, wo sie von den Eltern abgeholt werden.
Aber noch ist es nicht so weit, der Schlafkönig (wer am längsten still sein kann) muss noch bestimmt werden und ein letztes Bewegungsspiel steht noch an. Hier geht es darum, bei verbundenen Augen mit dem Finger auf Anschleicher zu zeigen. Ein Spiel, das offensichtlich die Leichtgewichte bevorzugt, denn der Boden des altehrwürdigen Pulverturms knarrt, wie sich einer beschwert. "Klar", sagt Daniel gelassen, "der Boden gehört natürlich dazu".
Gefühl für die Gruppe
Eines Tages werden die Wölflinge zu den zehn- bis dreizehnjährigen Jungpfadfindern aufsteigen, den Jupfis, die von Oliver Sowa, Iris Schiebel, Fabian Mattik und Matthias Raba betreut werden. Sie bilden die Kernaltersstufe und lernen all das, was Pfadfinder können müssen. Hier wird viel gebastelt, Knoten geknüpft, Zelte aufgebaut, miteinander gekocht – kurz Kreativität und Bewegungsdrang entwickelt und ausgelebt. "Gruppengefühl zu entwickeln ist das Wichtigste", sagt Daniel, der sich mit Oliver Sowa die Stammesführerschaft teilt. Zur Seite steht den beiden ein erfahrenes Team aus gut einem Dutzend Gruppenleitern, die meist zwischen 19 und 26 Jahren alt sind – junge Gruppenführer sind ein Markenzeichen der Pfadfinder und wurden schon vom Gründer Sir Robert Baden-Powell eingesetzt. Ausnahmen aber bestätigen die Regel. "Gerhard Mattik hält die Quote hoch", grinst Gesche.
Der 53-jährige Senior kümmert sich um die nächste Stufe, die 13- bis 16-jährigen Pfadfinder, unter denen derzeit allerdings eher 14 bis 17-Jährige zu finden sind. Da sind die Pfadfinder flexibel, wichtig ist nur, dass die Jugendlichen zusammenpassen. Dementsprechend sind die Neuburger Rover momentan mindestens 18 Jahre alt, statt 16 aufwärts, wie sonst bei der DPSG üblich.
Als Stadtwachen aktiv
Oliver Sowas Pfadfinder basteln gerade an einem Mehrfachtandem für fünf Personen – Erfolg noch ungewiss. Die Rover planen eine Fahrt nach Südtirol zum Seifenkistenrennen, wenn auch diesmal ohne Seifenkiste, da der Transport zu aufwendig wäre. Alle zwei Jahre sind die Pfadis beim Schlossfest als Stadtwachen unter Kommando von Stadthauptmann Alois Thumann aktiv. In das KJR-Ferienprogramm sind die Pfadis involviert, feste Bestandteile des Jahresprogramms sind Waldweihnacht und Weiberfasching.
Fahrten und Zeltlager sind ein zentrales Element, vom Diözesan-, bis zum Landes- und Bundeslager. Heuer steht ein Stammestreffen an der Nordsee an, und die Rover wollen zum Bayernroverlager fahren. Dort steht dann Selbstversorgung an. Kochen und Abwaschen mag zu Hause nicht funktionieren – bei den Pfadis schon.
Ausflüge, Workshops, sportliche und kreative Aktivitäten gehören zum Programm und richten sich nach dem Ort. "In den Bergen gehen wir Wandern", erklärt Daniel, "an der Nordsee versuchen wir bei einer Nachtwanderung den Leuchtturm anzusteuern". Baden gehört eigentlich immer dazu, ob am See in den Bergen oder am Meer.
Zu erkennen sind Pfadfinder übrigens an ihren Tüchern, die sie auf einem Lager in kleiner, feierlicher Zeremonie erhalten, wenn sie ihr Pfadfinderversprechen geleistet haben. Je nach Altersstufe ist das Tuch orange (Wölflinge), blau (Jupfis), grün (Pfadfinder), rot (Rover) oder grau mit goldener Lilie für die grauen Wölfe, die Leiter. Nähere Informationen, Termine und Kontaktmöglichkeit gibt’s auch im Internet unter der Adresse www.pfadfinder-neuburg.de.
