20.02.2020 Das Hexenfeuer wird entfacht, DK
Pfadfinder bereiten emsig die Weiberfastnacht im Marstall vor - Kinderball im Vorfeld geplant
Neuburg - "Wehe, wenn sie losgelassen!" So was mag natürlich nur ein Mann sagen, einer ziemlich auf der Spaßbremse. Der Weiberfasching am Unsinnigen Donnerstag ist nun mal ein ganz besonderer Tag in Neuburg, sozusagen ein Ausnahmetag. Gefeiert, nicht wenig, wird in der ganzen Stadt, Epizentrum aber war und ist der Marstall. Den verwandeln die Pfadfinder fleißig im Vorfeld in einen gruselig schicken Hexenkessel.
Das dritte Wochenende jetzt schon waren die emsigen Helferlein um Stammesführerin Anette Schiele im Einsatz. Am 15. Februar muss alles fertig sein, da gibt's vorab den Kinderball, eine vergleichsweise junge Einrichtung noch in der Stadt, aber auch schon auf dem besten Weg, eine feste Größe zu werden. "Wir Pfadfinder sind schließlich eine Jugendorganisation und stellen jedes Jahr eine Riesenfete für Erwachsene auf die Beine", erzählt Schiele von den Anfängen des Kinderballs. "Warum machen wir eigentlich nichts für die Kleinen? " Gesagt, getan.
Ganz so viel Trubel wie bei den Großen dann ist nicht, aber für die kleinen Prinzessinnen und all die anderen Fabel- und Feenwesen wird jede Menge geboten sein. Die Nachwuchsgarde aus Irgertsheim kommt, die schönsten Masken werden prämiert, DJ Tommy legt auf, und dass sich die Pfadfinder auf Spiele verstehen, versteht sich. Trotz tollem Programm: Der Eintritt beim Kinderball ist frei, weshalb Eltern, Oma, Tante wer auch immer umso leichter mitkönnen. "Das muss sein", sagt Schiele. "Wir können natürlich nicht für so viele Kinder die Verantwortung übernehmen. "
Eher ohne Erziehungsberechtigten ist man dann am Weiberfasching unterwegs, aber Achtung: Unter 18 geht nichts, Ausweiskontrolle. Großes Programm, nach dem Auftakt, braucht's da nicht mehr, die von diversen Burschenbällen schon erprobten Twisters heizen gehörig ein. Es wird eine lange Nacht; bezeichnend, dass es eher später los geht: Bis 22.30 Uhr gelten Happy-Hour-Preise. Der berühmt-berüchtigte Hexenschnaps ist Pflicht, die einst traditionelle Hexensuppe, stets von Wirtslegende Luggi Herbinger nach geheimnisumwitterter Rezeptur fabriziert und gleich der Bierprobe beim Volksfest einige Tage vorab schon mal vorgekostet, steht heute nicht mehr ganz so hoch im Kurs. Zwischenzeitlich ist der Bergbauer-erfahrene Klinik-Küchenchef Manni Enders, "ein echtes Pfadfinder-Gewächs" (Schiele) fürs herzhaft Kulinarische zuständig.
Bei 500 und 600 Besuchern ist Tuchfühlung garantiert, zeitweise Einlasssperren wegen Überfüllung kommen vor. Auftakt ist, wenn um 20.30 Uhr auf dem Ottheinrichplatz vor dem Marstall das Hexenfeuer entfacht wird, die wildesten und mutigsten unter den Hexen den kühnen Schwung an ihrem Besen über das Feuer wagen.
Allzu viel vom ursprünglichen Hexenspiel, das die Anfangsjahre vor mehr als vier Jahrzehnten prägte, ist zwar nicht mehr übrig geblieben. Die Oberhexe, stets eine honore Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, war damals eine gesetzte Größe. Der Kult hat sich gehalten von der Kultur, Party wurde derweil wichtiger, Tradition hat das Ganze allemal. Neu indes ist heuer der Vorverkauf, in der Reise-Insel und im Café Ozon, der Eintritt zu acht Euro, an der Abendkasse kostet nun einen Zwickel mehr. DK Josef Heumann
