21.06.2014 Unbequem und mit einem großen Herzen, NR
Pfarrer Dieter Lang aus Neuburg ist seit vier Jahrzehnten im Einsatz für seine Mitmenschen

Dieter Lang ist ein unbequemer Mann. Einer, der seine Mitmenschen fordert, mit ihnen diskutiert und sie zerlegt, der über Themen streitet und im Umgang nicht zimperlich ist. Er ist einer, der mit dieser Haltung mitunter aneckt, oft aber auch Bestätigung findet. „Wo andere aufhören zu helfen, da fängt er erst richtig an“, sagt etwa Alexander, einer der Jugendlichen, die bei Dieter Lang väterliche Begleitung auf dem Lebensweg finden. Denn Dieter Lang hat ein großes Herz für Schwache und Ausgegrenzte.
Und Dieter Lang ist kein Pharisäer. Wo er andere fordert, da nimmt er sich selbst auch in die Pflicht. „Man muss im Leben viel an sich arbeiten – an Demut und Gelassenheit. Und ich bin noch lange nicht fertig damit“, sagt er. „Eine Predigt halte ich oft auch für mich selbst. Denn ich habe nicht das Recht, anderen einen Spiegel vorzuhalten.“
Der 67-Jährige ist katholischer Priester und lebt seit 1975 – mit Unterbrechung – in Neuburg, seit er als junger Kaplan für die Pfarreien St. Peter und Heilig Geist eingesetzt wurde. Er wirkte als Pfarrer in Sinning, Ober-, Unterhausen und Dezenacker, für Kolping, die Katholische Landjugend, die Pfadfinder, als Bundeswehrseelsorger und in so manchen Bereichen mehr. Selbst heute, im Ruhestand, kümmert er sich um seine Mitmenschen, ist Anlaufstelle für junge Leute, denen Halt und Orientierung fehlen.
Am morgigen Sonntag feiert Dieter Lang 40. Priesterjubiläum im Rahmen eines Gottesdienstes um 10.30 Uhr in der Hofkirche. „Ich schaue zurück und danke allen, mir von Gott geschenkten Begleitern auf meinem Weg“, sagt er.
Dieser Weg begann 1947 in Hawangen im Allgäu. Der kleine Dieter war ein Flüchtlingskind, dessen Familie aus dem Sudetenland vertrieben war. Ein Punkt in seiner Biografie, der die Aussöhnung zwischen Deutschen und Tschechen zu einem wichtigen Thema gemacht hat. Der literaturbegeisterte Lang hat nicht nur die Weihnachtsgeschichte im Iglauer Dialekt seiner Mutter niedergeschrieben, er bereist auch immer wieder deren Heimat in freundschaftlicher Mission.
Den Weg zum Priester hat er Geistlichen in seiner Umgebung zu verdanken, die ihn vor allem aufrichtige Frömmigkeit, Argumentationsfreude und Geduld lehrten. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, war es für den begabten Buben schwer, das Gymnasium zu besuchen. Er schaffte es, studierte Philosophie, Theologie, Kunstgeschichte, Kirchenarchitektur, Psychologie und Grenzwissenschaften.
Zur Jugend hat es ihn früh hingezogen. „In Weilach hab ich die Landjugend aufgebaut, in Wangen im Allgäu war ich in den Semesterferien als Erzieher und sollte schließlich das Heim mit 400 Jugendlichen übernehmen.“ Doch er wollte mehr, als „nur“ menschliche Betreuung. Er wollte in Krisenzeiten da sein für Menschen – und das ganz bewusst als Priester. Schlüsselerlebnis war der Drogentod mehrerer Jugendlicher.
Immer haben junge Menschen ihn umgeben – „wenngleich es mich auch zu allen anderen hingezogen hat.“ Neben schönen, gemeinschaftsfördernden Erlebnissen wie Jugendreisen, Ministranten-Radtouren, dem Aufbau eines Jugendheims in Feldkirchen und, und, und, waren es immer auch die dunklen Seiten des Lebens, mit denen Lang in Berührung gekommen ist. „Suizide und Missbrauch waren Ereignisse, die tiefer als geahnt unter die Haut und in die Seele drangen.“
Und auch die katholische Kirche hat ihm oft mehr abverlangt, als er mit seiner Vorstellung von Christentum vereinbaren konnte. „Ich hab als Kirchenmann so manches wegstecken müssen“, sagt er und verurteilt damit etwa Kindesmissbrauch durch katholische Priester, oder „den Umgang mit Menschen in einem Machtgebaren, das der Kirche nicht zusteht“. Auch am eigenen Stand übt er Tadel: „Geistliche tun oft zu wenig, um fundiert die frohe Botschaft zu vermitteln.“
Bei aller Kritik an der Kirche ist Lang stets mit ganzem Herzen bei seinem Herrgott. „Ihm, der er mir die Bestimmung gegeben hat, den Menschen zu helfen, ihren Weg zu finden, vertraue ich.“ So ist es – wenngleich wohl Zufall – doch irgendwie konsequent, dass seine Hausnummer mit der Nummer eines der schönsten Lieder im Gotteslob identisch ist: 257 *.
