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01.02.2008 Nicht immer ist "Hexe" drin, wenn "Hexe" draufsteht, NR

Wehe wenn sie losgelassen: Die Ruhe am Unsinnigen Donnerstag in Neuburgs Altstadt durchbrechen um 20.30 Uhr lautes Gebrüll, Getöse, Trommelschläge und Trompeten.

VonXaver Habermeier

Wüst gekleidete Hexen vom Fanfarenzug und den Pfadfindern stürmen mit Hakennasen und Besen den Ottheinrichplatz, tanzen ums Feuer, springen über die züngelnden Flammen und eröffnen ein Riesen-Halligalli: den 31. Neuburger Hexenfasching. Dann lassen es Narren aller Coleur im Hexenkessel Marstall und in den Kneipen der oberen und unteren Stadt so richtig krachen.

Im Astronautenkostüm per Space-Shuttle "gelandet"

Selbst "NASA-Pilot" Tom Koller - im richtigen Leben sitzt er im Cockpit eines Eurofighters - landet zum Narrenspektakel im Astronauten-Kostüm per Spaceshuttle in der Ottheinrichstadt. Schließlich hat sich die Kunde von der brodelnden Stimmung in Neuburg bis über den großen Teich hinüber verbreitet. "Wer einmal dabei war, der kommt immer wieder", so Koller.

Überhaupt scheint das bunte Maskerervolk schier aus allen Ländern zu strömen und zu quellen. Ohne jegliche Berührungsängste finden alle in Faschingslaune zueinander: Indianer tanzten mit Chinesen, Ölscheichs mit afrikanischen Eingeborenen und Blumenmädchen. Längst ist dieser Tag kein reiner "Weiberfasching" mehr, sind doch auch die Männer in Scharen unterwegs, teilweise als Hexen verkleidet oder verborgen unter Frauenmasken anderer Art.

Zumindest der Anspruch auf einen Freischnaps ist ihnen somit gesichert. Doch spätestens, wenn das Kondenswasser in Bächen fließt, geben die Herren ihre Tarnung auf und lüften die Masken, um sich Kühlung zu verschaffen. Doch auch dann drücken die Wirte freilich ein bis zwei Augen zu.

Viele Narren und Närrinnen haben sich in der Nacht des "Gumpigen Donnerstags" die große Kneipentour vorgenommen. Um Mitternacht sind die Lokale prall gefüllt und zum Tanzen bleibt nur wenig oder kein Platz. Wer aber ein richtiger Faschings-Freund ist, der nimmt dieses Erschwernis gelassen hin. Zentrum des Neuburger Hexenfaschings ist der Marstall, wo für viele die lange Nacht begonnen hat und auch ausklingt.

Zuerst heizt dort der Fanfarenzug die Stimmung mit Trommelwirbel an, ehe in nahtlosem Übergang die Band "Chlorfrei" diesen Part übernimmt. Mittendrin ist Alex Stolte, der erstmals als Hexenmeister fungiert. Mitorganisatorin Silvia Heueisen ist mit der so genannten "Älteren Riege" beim Spektakel der Pfadfinder seit Jahren dabei. So auch bei der 31. Auflage: "Wir unterstützen die jungen Vorsitzenden Daniel Gesche und Oliver Sowa mit unserer Erfahrung sehr gerne".

Serviert werden Teufels-Burger, Hexlinge oder eine asiatische Hexensuppe. Und gefeiert wird bis in die Morgenstunden des Rußigen Freitags. Die meisten sind sich in dieser wilden Nacht einig, was Fasching für sie bedeutet: Spaß am Verkleidungsspiel, Menschen kennen lernen, tanzen, feiern und ausgelassen sein.

Neuburg (nr)