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04.01.2023 Eine Ära geht zu Ende: Kein Weiberfasching mehr im Neuburger Marstall, NR

Die Neuburger Pfadfinder entscheiden, den Weiberfasching im Marstall nicht mehr anzubieten. Die Entscheidung hat sich lange angebahnt und mehrere Gründe.

Über 40 Jahre war er ein fester Bestandteil der Neuburger Narrenzeit: der Weiberfasching im Marstall, organisiert von den Pfadfindern. 1977 ging das Event zum ersten Mal über die Bühne und lockte seitdem kostümierte Jugendliche in bester Feierlaune in die obere Altstadt. Doch damit ist jetzt Schluss. Denn wie die Pfadfinder mitteilen, werden sie die Faschingsparty nicht mehr organisieren. Schuld daran ist nicht nur die Pandemie, sondern auch das veränderte Interesse der Jugendlichen – und der enorme Aufwand bei der Organisation der Veranstaltung. 

"Eine Ära geht zu Ende", dieser bedeutungsvolle Satz prangt auf der Homepage des Neuburger Weiberfaschings. Die rote Schrift macht unmissverständlich klar, dass die Veranstaltung nicht zurückkehren wird. Auch jetzt nicht, wo sie nach den gefallenen Corona-Beschränkungen wieder möglich wäre. Gerhard Haugg, Thomas Raba und Oliver Sowa, alle Vorsitzende und ehemalige Vorsitzende der Neuburger Pfadfinder, bedauern diesen Schritt, aber "es geht einfach nicht mehr". Der Neuburger Weiberfasching sei nicht mehr zeitgemäß, um damit die Kinder- und Jugendarbeit der Pfadfinder finanziell zu stärken. Konkret bezieht sich diese Aussage auf die Finanzierung der Veranstaltung selbst, die mit einem großen Anteil durch den Verkauf von alkoholischen Getränken erfolgte. "Aber genau das wollen wir nicht mehr, wir wollen ja, dass die Jugendlichen weniger trinken", meint Haugg.

Der Weiberfasching im Neuburger Marstall findet nicht mehr statt

Dass dies der einzige Grund gewesen wäre, warum der Weiberfasching im Marstall nicht zurückkehrt, könne man aber nicht sagen, meinen die drei Pfadfinder. Der Gedanke, wie lange man das Event noch anbieten wolle, sei schon ab 2017 immer in den Köpfen der Vorstandsmitglieder umhergegeistert. Schon da gibt es bei der Veranstaltung immer wieder Höhen und Tiefen, die Besucherzahlen von einst werden längst nicht mehr erreicht. "Die beste Phase war in den 90er-Jahren", meint Sowa. Damals wurden gut 1200 Karten verkauft, in der Spitze waren im Marstall bis zu 800 Faschingsfreunde gleichzeitig. Nach dem Umbau des Marstalls ändert sich das schlagartig. Allein deswegen, weil jetzt nur noch 550 Besucherinnen und Besucher erlaubt sind.

Generell wird es für die Pfadfinder immer schwieriger, die Kosten zu decken und die Organisation, die auf den Schultern der Ehrenamtlichen ruht, zu stemmen. "Wir haben unser ganzes Herzblut und unsere Freizeit reingesteckt, einmal hat für mich der Weiberfasching eine Arbeitszeit von 49 Stunden bedeutet", erinnert sich Sowa. Die Kosten steigen, die Bestimmungen für die Veranstaltung werden immer strenger und das Publikum nimmt den Abend mit Liveband, Essen, Getränken, Bar und Feuerspuckern ab den 2010er-Jahren nicht mehr so gut an. 

Der Rückgang der Besucherzahlen sei schon vor der Pandemie spürbar gewesen. Immer neue und vor allem kostenlose Angebote und starke Mitbewerber haben die Veranstaltung einige Gäste gekostet. "Als die Pfadfinder mit dem Weiberfasching begonnen haben, waren sie die einzige Veranstaltung, dann kamen immer mehr andere Events dazu", meint Haugg. "Wir waren ja auch die Einzigen, die Eintrittsgeld verlangt haben", ergänzt Raba. Denn die Bands mussten natürlich bezahlt werden und "wir mussten schauen, überhaupt die Kosten wieder reinzubekommen", wie Sowa meint.

Trotz der zunehmenden Herausforderungen sind in den vielen Jahren zahlreiche Erinnerungen entstanden, die die Pfadfinder nie vergessen werden. "Unsere Livebands waren toll, das war unser Alleinstellungsmerkmal", sagt Raba. Besonders auch der berühmte Sprung über das Feuer, das am Ottheinrichplatz für die verkleideten Hexen und Geister angezündet wurde. Auf die Unterstützung der Stadt konnten sich die Pfadfinder verlassen, ebenso auf den Fanfarenzug und die Feuerspucker von" Spectaculum de diabolico".

Weiberfasching im Marstall gehört 40 Jahre zum Neuburger Fasching

Außerdem seien die Feiern immer friedlich gewesen. "In all den Jahren hat es nie einen Zwischenfall gegeben und auch von der Polizei musste nie eingegriffen werden", sagt Sowa. Für Raba war der Weiberfasching im Marstall eine Eckveranstaltung im Jahr, in der sich all die Neuburger endlich wieder getroffen haben, die sich sonst aus den Augen verloren hatten. "Das ist wie beim Schlossfest oder manchen Abenden im Hertlein. Da trifft man alte Schulfreunde und Bekannte." Eine Erinnerung, die ebenfalls immer bleiben wird, ist das gemeinsame Weißwurstfrühstück am nächsten Tag, das die Veranstalter gemeinsam verbracht haben. "Wir waren alle völlig übermüdet, aber zufrieden und erleichtert." 

Wäre die Pandemie nicht gewesen, wäre der Weiberfasching im Marstall vermutlich noch einige Jahre weitergelaufen, aber "die Zweifel sind schon immer größer geworden", wie Sowa sagt. Dass es den Weiberfasching jetzt nicht mehr gibt, bringe den Pfadfindern einerseits Erleichterung, aber natürlich auch Wehmut. "Für uns alle endet wirklich eine Ära. Viele sind als Kinder schon in Kontakt mit der Veranstaltung gekommen und damit groß geworden", sagt Raba.

Also haben sich die Pfadfinder schweren Herzens entschieden, künftig andere Wege zu gehen. Ein neues Angebot ist das Tannentaxi, das am 7. Januar und am 23. Januar unter www.stamm-neuburg.de/christbaumsammlung angefragt werden kann. Gegen eine Spende entsorgen die Pfadfinder den alten Christbaum. Generell wollen sie sich nicht mehr auf eine Großveranstaltung, sondern mehrere kleinere Veranstaltungen im Jahr konzentrieren. 

Neuburg NR