07.09.2007 Gute Taten in Hülle und Fülle, NR
Neuburg "Jeden Tag eine gute Tat", so lautet der Grundsatz, den jeder sofort im Kopf hat, wenn es um das Thema Pfadfinder geht. Nach 75 Jahren bedeutet das pro Pfadfinder für Neuburg allein 27 393 gute Taten.
Seit über 15 Jahren ist auch Daniel Gesche ein Pfadfinder. Er hat sich von den ganz kleinen Wölflingen bis zum Stammesvorstand gemausert. Diesen Posten teilt er sich mit Oliver Sowa, der seit ungefähr 14 Jahren dabei ist. Insgesamt gibt es im Moment zwischen 50 und 60 Mitglieder. Doch wie viele ehemalige und passive Mitglieder der Verein insgesamt hat, können beide nicht genau sagen: "Deswegen stehen wir mit unserem Ehemaligentreffen momentan auch vor einem Problem. Wenn man mit Älteren redet, bekommt man schon viele Namen von Ehemaligen genannt. Allerdings immer nur Spitznamen und die meisten wissen selber auch nicht genau, wie diese Leute wirklich heißen."
Dennoch, es gibt Namen, die auch momentan noch in Neuburg stadtbekannt sind und einmal Pfadfinder waren. Dazu gehören, nach Kenntnis der zwei Stammesvorstände, etwa Stadtrat Alois Thumann, Walter Friemel oder Fritz Jakobfalvy. Von größeren Veränderungen in der Vereinsstruktur können beide nicht berichten. Die erste Waldweihnacht fand schon 1932 statt. Seitdem gehört diese Feier zur Tradition bei den Pfadfindern.
Seit 1951 residiert die Gruppe im Turm. Dieser konnte damals für gerade mal eine Mark pro Jahr gepachtet werden. "Die Treffen davor fanden immer irgendwo statt", sagt Sowa. Erst in den 70er Jahren wurden dann der Vorbau und die Treppe dazu gebaut. "Hart war für die Pfadfinder die NS-Zeit. Damals haben sie sich im Keller eines Lederhandels getroffen. Der Chef hatte alle offiziell einfach als Gesellen eingestellt, so dass sie dort ihre Gruppenstunden abhalten konnten", berichtet Sowa. Beide kennen dies allerdings nur aus Erzählungen.
"Wichtig ist nur, dass das Gedankengut überlebt", sagt Gesche. Ein denkwürdiges Ereignis, das die Generationen weitertragen, gibt es bei den Neuburger Pfadfindern aber nicht. "Das liegt daran, dass die meisten maximal 20 Jahre aktiv mit dabei sind oder die Pfandfinderzeit sowieso nur als Kind miterleben", sagt Sowa. "Natürlich, man bekommt immer Geschichten erzählt. Dabei handelt es sich aber meist um irgendwelche lustigen Zeltlagergeschichten. Hier macht jeder natürlich seine eigenen Erfahrungen", fügt Gesche an.
Nach Meinung der beiden vermitteln die Pfadfinder den Kindern vor allem, wie man miteinander umgehen sollte: "Viele der Kinder, die ich selber betreue, haben gelernt, dass man auch mit Erwachsenen einfach reden kann, wenn man etwas von ihnen will." Auch Verantwortung und Organisation nehmen bei den Pfadfindern viel Zeit in Anspruch. "Wenn man älter wird, darf man immer mehr selbst entscheiden und auch selbst planen. Allerdings bekommt man erst im Laufe der Jahre mit, dass man als Leiter Regeln und Verpflichtungen einhalten muss."
Beide betonen, dass hinter den Pfadfindern kein Leistungsdruck steht: "Wenn man sich nicht einbringen will, muss man nicht. Die meisten machen das dann sowieso von allein, weil es ihnen einfach Spaß macht.
