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27.09.2007 Freude bereiten und Rückgrat zeigen, DK

Als Dankeschön für die neue Treppe am Pfadfinderturm bekam OB Bernhard Gmehling von einer Abordnung des Stamms ein Bild mit einem offiziellem Stammesaufnäher überreicht. Die Treppe war im Sommer für 5500 Euro gebaut worden. Außerdem wurden die Grünanlage erneuert und das alte Trafohäuschen zur Nutzung freigegeben. Bereits seit 1951 sind die Pfadfinder an der Eybstraße zu Hause. - Foto: oh

Pfadfinder auf der ganzen Welt haben im Sommer den 100. Geburtstag der Jugendbewegung gefeiert. Für den Neuburger Stamm der Fährtensucher gibt es am Wochenende erneut Grund zum Jubeln. Seit 75 Jahren sind sie in der Ottheinrichstadt zu Hause.

Recht nebulös erscheinen die Anfänge der Neuburger Pfadfinder St. Georg. Intern heißt es, die Stammesgründung sei so im April 1932 über die Bühne gegangen. Genau dokumentiert wurde damals jedoch wenig. So war es wohl der Gerbermeister Jos Fiedler, der den Stamm aus der Taufe hob. Nachdem das NS-Regime kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges die Pfadfinder in Deutschland verboten hatte und deren Mitglieder in die Hitlerjugend hinein presste, hielt Fiedler seinen Stamm mit einer Handvoll Jugendlichen am Leben. Im Geheimen traf sich die Gruppe in der Gerberei. Hier leisteten sie ihre Art des inneren Widerstandes.

Zwei Jahre nach Kriegsende wurde der Ruf nach Pfadfindern in Neuburg erneut laut und der inoffiziell nie aufgelöste Stamm von Jos Fiedler erlebte seine öffentliche Wiedergeburt. Die zahlenmäßige Entwicklung war in den Nachkriegsjahren erfreulich. Bereits Weihnachten 1947 umfasste der Stamm fünf Pfadfinder und zwölf Wölflinge. Nach einem Werbevortrag in der Schule zur Mitte des Jahres 1948 stießen gar 40 Jungen neu hinzu – Mädchen kamen erst etwa im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts dazu, als sich weltweit die meisten Verbände für beide Geschlechter öffneten.

Den ersten Ausflug brachte der Sommer 1948. Er ist in der Neuburger Pfadfinderchronik dokumentiert. Darin heißt es, die Buben seien über Unterstall, Egweil, Hitzhofen und Kipfenberg bis nach Eichstätt gewandert. Dort seien sie völlig entkräftet angekommen. "Manche mussten mit einem grünen Apfel und Senf auskommen", hielt der Chronist fest. Die Begeisterung für die Bewegung nahm trotzdem stetig zu. In den Neuburger Nachrichten vom 12. Juni 1949 heißt es, die Zahl der Mitglieder sei inzwischen auf rund 100 angestiegen. Eine viel zu große Gruppe für den Raum im Studienseminar, der seit 1947 als Heim gedient hatte. Zudem wurde dieser 1950 wieder als Schulsaal benötigt.

Turm auf Wunschliste

Ein Wunschobjekt für die neue Heimat war schnell gefunden: Schon drei Jahre zuvor galt der ehemalige Wehrturm an der Eybstraße der Favorit des Stammes. Erste Verhandlungen mit dem Stadtrat waren aber gescheitert. Am 15. September 1951 war es soweit. Als "großer Tag in der Geschichte unseres Stammes" ist die Heimeinweihung im ehemaligen Totenturm an der Friedhofsmauer in der Chronik beschrieben – in dem geschichts?trächtigen Gebäude sollen im Mittelalter gar Hexen gefoltert worden sein, was ihm den weniger bekannten Namen Hexenturm einbrachte.

"Wer in Neuburg das Wort Pfadfinder hört, denkt sofort an unseren Turm", sagt Stammesvorstand Daniel Gesche heute. Das jetzige Erscheinungsbild des Turmes war allerdings mit Kärrnerarbeit verbunden. Vom Einzug bis etwa 1953 dauerte der von den Chronisten scherzhaft als "Turmbau zu Babel beziehungsweise Neuburg" bezeichnete Umbau.

Um die Jahre 63/64 sowie 71/72 brannte jeweils der Innenraum. Beide Feuer konnten schnell unter Kontrolle gebracht werden. Härter hatte es den Stamm im Sommer 1968 getroffen: Zurück aus den großen Ferien, fand man den Turm verwüstet vor. Einbrecher hatten wie die Vandalen gehaust und einen Schaden von 5000 Mark zurück gelassen. Die vom heutigen Kreisjugendpfleger und damaligen Stammesfeldmeister Alois Thumann erstattete Anzeige blieb ergebnislos. Der Wiederaufbau dauerte und verschlang große Summen. Auf Spenden, Ideenreichtum und finanziell einträgliche Aktionen war man angewiesen. Ihre Vielseitigkeit hatten die Jugendlichen beispielsweise Ende der 1960er Jahre bewiesen. Damals wurde jedes Jahr zu Weihnachten einem Menschen eine Freude gemacht. 1966 etwa sangen die Pfadfinder Weihnachtslieder für eine Frau, die ihren Mann und ihre drei Kinder verloren hatte. "Eine Aktion, die wir durchaus wieder beleben sollten", findet Daniel Gesche, "denn jemandem Freude zu bereiten, ist das, was es heißt, ein Pfadfinder zu sein".

Aber auch mit der Weltpolitik gingen die Pfadfinder kritisch ins Gericht: Bei einer Lichterkette gegen die amerikanische Kriegspolitik sei man vor einigen Jahren jedoch fast alleine am Donaukai gestanden, so Gesche. Nachdenklich stimmte Worte fielen auch am Heiligabend 1966, als ein Pfadfinderchronist ironisch und laut sinnierte: "Wir singen Stille Nacht, Heilige Nacht (wie komisch – in Vietnam wird auch heute geschossen)."

Im jährlichen Wechsel sind die Jugendlichen des Neuburger Stammes entweder am Schlossfest bei der Stadtwache dabei oder beim großen Pfingstlager im Wald. Am vierten Advent steigt immer die Waldweihnacht, nebenbei gilt es, viele Ausflüge zu planen.

Ihr 75-jähriges Bestehen feiern die so genannten Scouts im kleinen Kreis. Von heute bis Sonntag schlagen sie ihre Zelte zum Jubiläumslager auf dem Jugendzeltplatz im Schwaighölzl auf. Am Samstag sind zudem alle Ehemaligen ab 18 Uhr dazu eingeladen, an der Feier teilzunehmen und in Erinnerungen zu schwelgen.

Neuburg (DK)