12.02.2010 Heiße Hexenparty mit extra scharfen Würstchen, DK
Im bunten Maskenmeer sind die Hexen nicht mehr ganz so dominant wie früher.
Neuburg (DK) Schneetreiben und fünf Grad Minus – "richtiges Weiberfaschingswetter", grinst ein Maskierter, der offensichtlich nicht der eigentlichen Zielgruppe angehört. Männer beim Weiberfasching in Neuburg sind längst akzeptiert. Auch die, die nicht als Frauen verkleidet kommen – ob Sensenmann, Graf Dracula, Mönch oder Zauberer, sie alle mischen kräftig mit.
Auch beim Hexensprung übers Feuer sind die Herren der Schöpfung diesmal führend – Spinnenmann Daniel Gesche macht den Anfang und trotz Schneeglätte finden sich etliche Nachahmer, die in hohem Satz über die Flammen springen. Der Fanfarenzug liefert die Begleitmusik dazu und wandert dann in den Marstall weiter, wo die Musiker um die frühe Stunde noch Platz genug finden, um sich selber auszutoben. "Alle Bläser hüpfen hoch", oder "alle Trommler springen hoch", ermuntern sich die Musikanten zu Höchstleistungen auch sportlicher Art, bevor sie sich eine Tasse Hexenkessel schmecken lassen.
Nach und nach füllt sich der Marstall. Haben die Engel an der Bar anfangs noch Zeit für ein Glas Sekt gefunden, so ist es bald schon schwierig, zu ihnen vorzudringen. "Bei so vielen Engeln, da muss das Geschäft ja laufen", meint Susi hinter der Theke vergnügt mit Seitenblick auf die Kolleginnen mit über dem Haarschopf schwebendem Heiligenschein. Engel sind in – genauso wie ihre Gegenspieler, schwarz-rote Teufel, die sich gut inmitten der nur noch knapp dominierenden Hexen behaupten. Und weil Weiberfasching ist, dürfen die Männer arbeiten. Der Piratenkapitän wischt die Theke an der Essensausgabe ab und brummt: "Ein Kerl beim Putzen ist wohl immer gut, gel" Dabei sollte er doch das Deckschrubben gewöhnt sein . . .
Wieder dabei ist die Band Chlorfrei, auf die die veranstaltenden katholischen Pfadfinder von St. Georg schon seit einigen Jahren setzen. Die Musiker haben sich als Vampire verkleidet und probieren aus, "wie weit wir gehen können". Nicht so weit zurück jedenfalls, dass "Aber dich gibt’s nur einmal für mich" ankäme. Etwas jüngere Hits wie "Joana", "Er gehört zu mir" oder "Skandal im Sperrbezirk" sind da weitaus gefragter, und die Tanzfläche ist bald kurz vorm Bersten.
Beste Stimmung herrscht, von Jung bis Alt, ob Schüler oder Lehrer,wobei letztere von ersteren trotz Maske schnell entdeckt werden. Im Sechserpack, nein gleich im Dutzend billiger ist Löwensenf extra zu haben. Mit lustigem Wurstzipfel auf dem Kopf und gut gepolstert in rot-senffarbenen, tonnenförmigen Kostümen sind zwölf Männer aus Leidling und Straß unterwegs. "Wir sind nicht heiß, sondern extrascharf", widerspricht Dietmar der Bemerkung, die Wurstzipfel seien ja heiß.
Marco hat sich etwas Besonderes ausgedacht und läuft als SLD-Team herum – als "Schlechte-Laune-Desinfektions-Team", ein Kostüm, das er sich für die Ingolstädter Night of White ausgedacht und als Malerkittel im Baumarkt erworben hatte. "Sonst laufen alle nur als Ärzte oder Krankenschwester rum", begründet er seine Idee und schwenkt den Sprüher mit dem Anti-schlechte-Laune-Desinfektionsmittel. Sein Begleiter Matthias hat sich derweil noch nicht entschieden, ob er als Kuh oder Deckbulle unterwegs ist . . .
