01.02.2008 Mit dem Space-Shuttle zu den Hexen, DK
Protest gegen das Rauchverbot: Der einzige Raucher ließ sie im Stich, nachdem er die Aktion initiiert hatte. Also zogen vier Nichtraucher allein als geschlossene Gesellschaft durch Neuburg.
Ein Aufschrei geht durch die Menge – im Feuer verglüht der Hexenhut, erstes und einziges Opfer eines kühnen Hexensprungs durchs Feuer auf dem Ottheinrichplatz.
Ein wenig scheint den Hexen danach die Lust am Sprung vergangen zu sein, nur ein paar ganz Mutige trauen sich noch. Dafür hat sich zuvor der Hexen-Fanfarenzug nicht lumpen lassen und etliche Kreise ums Feuer gezogen, flankiert von wieder mehr Zuschauern als in den Vorjahren, findet Silvia Heueisen, die mit Gerhard Rohleder und Gerhard Mattick die Stammesführung der katholischen Pfadfinder von Sankt Georg, Oliver Sowa und Daniel Gesche, tatkräftig bei der Organisation des bald 30 Jahre alten Weiberfaschings im Marstall unterstützt. Gehext wird heuer bereits am Eingang zum wieder aufwändig geschmückten Hexensaal, denn der neue Zulassungstempel bleibt unsichtbar bis Hexen, Hippies, Vampire und sonstige Fantasiegestalten unterm UV-Licht hindurch müssen.
Thomas Koller ist gerade mit seinem Space-Shuttle gelandet und muss sich beim Anziehen seines Astronautenanzugs helfen lassen, denn der Reißverschluss sitzt unerreichbar hinten. "Ausziehen geht auch nicht allein", gesteht er vergnügt. Wenn der Raumfahrer keinen Helfer findet, muss er mit ein paar Lüftungsschlitzen für den Rest der Nacht auskommen, wobei der gewiss recht kurz sein wird.
Was sich wohl unter den Schottenröcken der Musiker verbirgt? Die Band Chlorfrei heizt kräftig ein und ein auskunftsfreudiger Schotte beantwortet zwischendurch sogar solch indiskrete Fragen mit einem gezielten Schuss mit dem Fotoapparat unter den Rock des Nebenmannes.
Begegnungen der anderen Art gibt es in der Herrentoilette. "Eine Nonne, die im Stehen pinkelt", stichelt ein Nebenstehender. "Tja, so was gibt’s im Leben", kommt die lapidare Antwort.
"Wir trinken für dich mit"
Keine Trauer tragen die Hexenmädis aus Schrobenhausen. Kati, Kathleen, Becky, Simone und Corry vermissen zwar ihre Freundin Carina, die bis April in Australien jobbt, versprechen ihr aber via Foto und selbst gemaltem Schild, das "Allaf Neuburg" – samt Smiley für den Rechtschreibfehler – verkündet: "Wir trinken für dich mit". Von ihrem "ersten Erlebnis in Neuburg" sind die 20- bis 25-Jährigen schon zu früher Stunde begeistert.
Stammgäste sind dagegen fernöstliche Geishas aus Neuburg, die heuer ein paar Ausfälle verzeichnen und nur zu siebt angetreten sind. "Die eine ist schwanger… wie’s halt so ist" begründet Andrea schmunzelnd den Schwund. Für die Hobbynäherinnen beginnt der Weiberfasching schon etliche Wochen vorher mit gemeinsamen Nachmittagen, an denen fleißig an den Kostümen gearbeitet wird.
Draußen stehen die Raucher. "Kein Problem", meint eine Piratin. Vier Nichtraucher, Matthias, André, Johanna und Stephan, sind dagegen als geschlossene Gesellschaft unterwegs, um gegen das Rauchverbot zu protestieren, obwohl Johanna eigentlich auch die rauchfreien Räume genießt. Aber "es geht gegen die Politik, wir lassen uns nichts vorschreiben", erklärt Matthias die Aktion, deren Initiator Gerald, einziger Raucher der Clique, beruflich verhindert ist. Nicht nur das Rauchverbot ist neu, sondern auch Manfred Enders, neuer Krankenhauskoch und alter Pfadfinder, der Hungrige mit Hexenkessel, Hexenfinger und Teufelsburger stärkt. "Der hat schon mit fünf seine erste Schürze bekommen" schickt Karl-Heinz Mayerhöfer ein Kompliment an den Küchenchef.
Die Hexen aus Ehekirchen brauchen mal eben die Fotografin als Zeugin für den Hexensprung, um den dafür versprochenen Hexentrunk zu bekommen. Der zieht scharf rein, ist aber – weil mehr Tabasco als Alkohol enthaltend – sicher nicht für den im Laufe der Nacht immer mehr steigenden Alkoholpegel verantwortlich. Während im Marstall Tanz und Ausgelassenheit Trumpf sind, haben die draußen in der Stadt umherziehenden Hexen teilweise schon weit vor Mitternacht reichlich getankt. Noch melden die THW-Helfer "weitgehend Ruhe", da ist der Schrannenplatz schon von Glasscherben und dunklen Flecken übersät.
