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04.03.2011 Von Hexen, Bären und Prominenz, DK

Gefeiert wurde auch auf dem Schrannenplatz bis in die frühen Morgenstunden.

Feuerspucker setzen dem Hexentanz vor dem Marstall das i-Tüpfelchen auf. Sie jagen den Wagemutigsten unter den sprungbereiten Weibern Feuerbälle hinterher oder sorgen dafür, dass den Hexen auch mit Feuer von oben so richtig eingeheizt wurde.

Pünktlich fand sich der Fanfarenzug am Ottheinrichplatz ein, die wilden Weiber aber ließen heuer etwas auf sich warten. Relativ überschaubar ist der Haufen, der sich aktiv oder als Zuschauer beim Tanz ums Feuer einbrachte, obwohl die Feuerspucker vor den historischen Gemäuern ein faszinierendes Bild abgeben.

Eine Seelenverwandtschaft scheint zwischen einer schwarzbunten Kuhherde und dem schnuckeligen Bären zu herrschen, der mit Milchkanne bewaffnet das Feuer in sicherem Abstand umkreist. Daniel Gesche, sonst einer der ersten, der übers Feuer springt, verfügt nur über ein kleines Sichtfenster unter der mächtigen Bärenschnauze. Eigentlich sei er ja auf der Suche nach etwas anderem gewesen, verrät er lächelnd, aber als er im Münchner Kostümverleih den großen Bärenkopf liegen sah, war es um ihn geschehen. "Wer könnte da widerstehen", fragt er. Einziger Wermutstropfen waren Zweifel, ob die Jüngeren unter den Besuchern wohl noch etwas mit dem Bärenmarke-Bären anfangen könnten? Bärenmarke hin oder her, ein strahlendes Lächeln, vor allem von der Damenwelt, ist Gesche sicher, wenn er aus seiner Milchkanne Zettel mit lächelndem oder traurigem Gesicht, Fragezeichen, Universal-Stoppschild oder Herzchen zieht. Nur Lisa scheint immun: "Dein Kopf blockiert die Gläser-Rückgabe", knurrt sie, woraufhin sich der Bär am kecken Leopardenschwänzchen vergreift.

Rund 50 Ehrenamtliche haben die Stammesführer der Neuburger St.-Georg- Pfadfinder, Oliver Sowa und Daniel Gesche, die von Gerhard Mattick und den Ehemaligen sowie befreundeten Pfadfindern tatkräftig unterstützt werden, im Einsatz. Bestens organisiert, von der Garderobe über Hexenküche und Bar bis zur Security, sitzt jeder Handgriff. Und wer Alkoholfreies mag, der bekommt das ganz im Sinne des Jugendschutzes preiswerter als alkoholische Getränke.

Die Band Chlorfrei hat sich in weißen Matrosenanzügen auf hohen Seegang eingestellt und setzt musikalisch auf bewährte Schlager für die jung gebliebene Generation, die sich hier offensichtlich rundum wohlfühlt. Eine Soloeinlage gibt der Bärenmarke-Bär, dem allerdings das Tanzen zum nicht ganz jugendfrei umgetexteten Heidi-Lied vergeht, als Ansager Frank ankündigt: "In einer Stunde versteigern wir den Bären – das Weib, das ihn ersteigert, darf ihn mit nach Hause nehmen."

Je später der Abend, desto länger wird die Schlange an Eingang und Garderobe, und auch Koch Manfred Enders bekommt alle Hände voll zu tun, um die Nachfrage nach Hexensuppe, Hexenfinger oder -burger zu befriedigen. Die Hexenküche scheint nicht jedermanns Geschmack zu treffen. Obelix treibt sich allein herum. "Asterix hab ich zum Wildschweinjagen geschickt", sagt er grinsend. "Irgendeiner muss mich ja verköstigen."

Die Kostüme sind vielfältiger geworden, die Hexen geraten schon beinahe ins Abseits. Weiter im Trend liegt dafür Corporate Identity. Cliquenweise treten nicht nur Radler statt Tee trinkende Geishas aus Neuburg, gleich sechs Goldmariechen aus Ingolstadt und Neuburg, eine Horde gestiefelter Kater aus Ehekirchen, Sinning und Unterhausen, sondern auch Fledermäuse auf. Auf die Frage, woher sie kommen, antwortet Britta schlagfertig mit Blick auf die malerisch dekorierte Tarnnetzdecke: "Normalerweise hängen wir da oben."

Auch Prominenz ist vertreten. Prinz Marco I. und Prinzessin Vroni I. vom Wertstoffhof geben sich die Ehre, die ein oder andere Stadträtin hat sich unters Weibervolk gemischt und OB Bernhard Gmehling mit Ehefrau Hermine scheinen einem Vampirfilm entsprungen.

Der Schrannenplatz steht im Zentrum des Straßen-Weiberfaschings, vorm Cafe Zeitlos drängt sich die Menge, doch auch hier scheint es langsamer als sonst anzulaufen. "Der Fasching ist heuer einfach zu spät, die Leute freuen sich auf den Frühling", vermutet Bernd Pfahler vom BRK.

Neuburg (ahl)