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28.02.2014 Im Hexenkessel, DK

Beim Weiberfasching im Marstall zeigen sich die Gäste in Feierlaune – und ausgesprochen kreativ

Fasching fest in Frauenhand: Ob als Hexe oder Skelett verkleidet, die Damen hatten sichtlich ihren Spaß. Der eine oder andere Mann hatte sich derweil auch unters Frauenvolk gemischt, darunter Franz aus Rennertshofen, der sich als „Franz Former“ in ein Auto verwandelte - Fotos: Hammerl

Die Hexen waren los in Neuburg – und nicht nur sie. Ein buntes Bild bot sich Nachtschwärmern, die in fantasiereichen, oft selbst kreierten Kostümen rund um den Schrannenplatz unterwegs waren, den Hofgarten bevölkerten und auf dem Ottheinrichplatz den Hexensprung wagten.

Dem verschaffte der Fanfarenzug mit seinen rund 50 Trommlern und Bläsern lautstark Gehör, dennoch scheinen die Hexen von Jahr zu Jahr müder zu werden und überlassen den Feuerspeiern von Spectaculum de diabolico immer mehr den aktiven Part. Einige wenige Sprünge über die züngelnden Flammen, ein paar Hexen tanzen ums Feuer, dann umkreist der Fanfarenzug das Ganze noch einmal und schon ist der Spuk vorbei und verzieht sich in den Marstall. Die Band Chlorfrei übernimmt dann das musikalische Ruder und der Abend im Hexenkessel läuft so langsam an. Jedenfalls für die Generation 18-plus. Brigitte Frank steht draußen und ist nicht nur verärgert, sondern auch besorgt. „Meine 17-jährige Tochter durfte nicht rein, jetzt läuft sie irgendwo in der Stadt herum“, sagt sie. Um Mitternacht wäre ein Abholdienst eingerichtet gewesen – dass seit fünf Jahren mit dem neuen Sicherheitskonzept niemand mehr unter 18 Jahren in den Marstall hineinkommt, sei ihr nicht bekannt gewesen. Der gut organisierte und sicherheitstechnisch durchkonzipierte Ball im Marstall erscheint ihr der beste Aufenthaltsort für Jugendliche. „In der Stadt ist es doch viel gefährlicher“, findet sie. Doch bei den strengen Passkontrollen wird kein Auge mehr zugedrückt. „Da drinnen wird Alkohol ausgeschenkt, das ist nicht mehr kontrollierbar und wir können uns nicht gegen das Gesetz stellen“, erklärt Veranstalter Thomas Jacobsen, Vorsitzender des Vereins Neuburger Pfadfinder. Als Ehrenamtliche könnten sie nicht die Verantwortung übernehmen – wenn etwas passiere, müssten sie haften.

„Noch ein Superman“, scherzt ein Security-Mann, „da drinnen sind schon 20 von deiner Sorte“. Das sitzt. Für einen Moment ist der junge Mann irritiert. Meist aber macht es gerade den Reiz aus, in der Gruppe unterwegs zu sein. Hier steigen drei Fliegenpilze aus einem Auto, dort erschrecken zwei Rokokodamen mit Geisteraugen. Gartenzwerge sind in einer Horde unterwegs, allerlei tierische Herden ebenso und überall natürlich auch Hexen – mit oder ohne Besen. Einmalig dagegen dürfte Franz aus Rennertshofen sein. „Franz Former“ steht auf seinem Rücken, in Anlehnung an den Kinofilm Transformers. „Soll ich mich mal verwandeln“ bietet er an und klärt auf, dass sich Transformer zwischen Mensch und Auto hin und her verwandeln können, was dem gelernten Zimmerer tatsächlich in Sekundenschnelle gelingt – fort ist der Mann, vor den erstaunten Zuschauern steht ein kleines gelbes Auto am Boden.

Anleihen beim Film haben auch die Minions in gelb und lila genommen, die bei der Damenwelt offenbar gut ankommen. „Zehn mindestens“, hätten die beiden schon aufgerissen, kommentiert ein Begleiter. „Wenn wir für jedes Foto einen Euro genommen hätten, wäre der ganze Abend finanziert – für uns alle“, grummelt Kevin. Ganz andere Sorgen haben die beiden rosafarbenen „schwulen Hasen“, wie sie sich selber nennen. Kaum kommt eine Häsin vorbei, dreht Manu den Kopf. „Hasen!“, ruft er verzückt und eilt hinterher Richtung Hertlein. Der Weg von Wörishofen eigens zum Weiberfasching in die Heimatstadt soll sich ja lohnen. Dustin bleibt gelassen angesichts der Häschen – seine Freundin ist irgendwo als Katze unterwegs.

Im Marstall bereitet sich inzwischen Hexenkoch Manfred Enders auf den Ansturm in der Tanzpause vor, wenn Chlorfrei durchschnaufen darf. Dann kommt er erfahrungsgemäß kaum nach mit Hexensuppe und –burger, Teufelsfingern und Baguette.

Neuburg (DK)